Die Geschichte des Rums

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Jedes Getränk hat seine Geschichte und ist mit einer bestimmten Region oder einem bestimmten Schlag Menschen verbunden. Die Geschichte des Bieres ist eng mit den bayrischen Kloster-Brauereien und den dort lebenden Mönchen verbunden. Wer an Rum denkt, denkt an Freibeuter, Matrosen und die Karibik.

 Wein & Bier taugen als Bord-Getränk nicht

Im 16. Jahrhundert beherrschten vor allem zwei Nationen die Weltmeere: Spanien und England. Um ihren Einfluss auszuweiten, mussten auch die Schiffe größere Reisen unternehmen und dem geliebten Heimathafen immer länger fern bleiben. Aus wirtschaftlichen Gründen wurden im 17. Jahrhundert die östlichen Inseln der Karibik kolonisiert und bepflanzt.

 

Die Kolonialherren beorderten bewaffneten Schiffe in die Region, um den Pflanzern bei Piraten-Angriffen beizustehen und sie vor den Flotten ihrer kontinentalen Feinde zu schützen. Um die Mannschaften während dieser nicht sehr spannenden Arbeit bei Laune zu halten wurden, den Matrosen tägliche Wein- und Bier-Rationen zugesprochen.

 

Die karibischen Wetterverhältnisse waren jedoch nicht mit dem europäischen Klima zu vergleichen. Das Bier wurde bereits unterwegs ungenießbar und Wein verwandelte sich in Windeseile in Essig.

 

 Rum als willkommenes Bezahlungsmittel

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Wie durch Gottes Fügung bahnte sich eine Lösung für diese missliche Lage an:

Als im 17. Jahrhundert Europa seinen Vorliebe für süße Speisen entdeckte, explodierte die Nachfrage nach Zucker und es schossen in der gesamten Karibik auf allen Inseln Zuckerrohr-Plantagen wie Pilze aus dem Boden. Es dauerte nicht lange, bis die ersten Plantagen begannen, Alkohol zu destillieren. Da die europäischen Großmächte allesamt den Export zum Schutz des heimischen Alkohol-Geschäfts reglementierten und schließlich untersagten, hatten die Plantagenbetreiber ein Problem: sie blieben auf ihren Rum-Fässern sitzen und lockten somit Piraten an.

 

Aus diesem Grund versuchten die geschäftigen Pflanzer nun ihre überschüssige Ware an die englische Marine zu verkaufen schaffte so eine klassische Win-Win-Situation. Aufgrund der militärischen Präsenz zogen sich die Piraten zurück, im Gegenzug konnte die Royal Navy ihren Soldaten endlich einen dem Klima angepassten Alkohol bieten und so die Moral der Truppen stärken.

 

Bereits im Jahr 1650 gehörte ein halber Liter Rum zur täglichen Ration eines Seemannes und die einzelnen Inseln begannen um die Gunst der Schiffe zu buhlen, hing doch ihre komplette Existenz von deren Schutz ab. Um den Nachschub für die Seeleute und gleichermaßen die Sicherheit der englischen Kolonien zu sichern, wurde Ende des 17. Jahrhunderts ein Blend von verschiedenen Karibik-Inseln offiziell zur täglichen Ration der königlichen Matrosen ernannt.
Problematisch war nur der Alkoholgehalt dieses Rum. Wer jeden Tag einen Humpen 75% Rum zu sich nimmt, wandelt sich innerhalb kürzester Zeit vom disziplinierten Soldaten zum disziplinlosen Trunkenbold der alsbald die Pläne ihrer Majestät gefährdet. Aus diesem Grund beschloss die Admiralität, die Ration stark zu verdünnen und führte ein Belohnungssystem ein: Tapfere Soldaten erhielten zusätzlich Zucker und Zitronensaft – das Getränk wurde mit dem Namen Grog benannt – sowie extra Rationen bei gutem Verhalten.

 

 Rum – ein traditionsreiches Getränk in der Royl Navy

Auch wenn sich die täglichen Rationen, nicht zu letzt durch steigende Komplexität der Kriegsmaschinerie von Jahrzehnt zu Jahrzehnt reduzierte, so hielt sich dieser Brauch 320 Jahre lang. Erst im Jahr 1970 wurde auf einem englischen Kriegsschiff die letzte Ration Rum für englische Matrosen ausgeschenkt. Das Rezept dieses Orginal-Blends kaufte der Abenteurer Charles Tobias der britischen Marine im Jahr 1979 ab und vertreibt den Rum seitdem unter dem Namen Pusser‘s Rum.  Wer also 300 Jahre britische Seefahrt-Geschichte probieren möchte, kann den gleichen Rum probieren, mit dem Seemänner ihre Siege in den größten Seeschlachten der Welt begossen haben.

 

Zuckerrohr wird in den gesamten Tropen angebaut

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Obwohl Rum eine so bewegte Geschichte hinter sich hat, lässt sich heute gar nicht mehr exakt klären, wo der Rum erfunden wurde: Er wurde von den spanischen und portugiesischen Eroberern erst in Brasilien angebaut und verbreitete sich von dort in die Karibik.

Mittlerweile wird Zuckerrohr überall in den Tropen angebaut. Aus diesem Grund umfasst die Liste der Rum-Produzenten die meisten der Staaten, die in den Tropen angesiedelt sind. Neben den karibischen Staaten gibt es Rum aus Surinam, Mauritius und den Seychellen. In Zentral- und Südamerika hat jedes Land seine regionalen, oft auch über die Landesgrenzen hinaus bekannten Rum-Hersteller. So stellt Guatemala mit dem Zacapa Rum einen der bekanntesten Rums überhaupt her und Flor de Cana betreibt in Nicaragua einen wahren Rum-Konzern. Sogar Indien ist Rum-Produzent und produziert mit dem Old Monk Rum einen der absatzstärksten Rums weltweit.

 

Doch nicht nur die tropischen Staaten mischen im Rum-Geschäft mit. Auch nicht tropische Staaten importieren mittlerweile Melasse oder jungen Alkohol, um diesen in Europa reifen zu lassen. Gerade Unternehmen aus England, Schottland oder Spanien, die im Reifen von anderen Spirituosen bereits auf eine lange Tradition zurückblicken können, versuchen auch im Rum-Segment Fuß zu fassen, und reifen neben Sherry, Whisky oder Brandy auch Rum in ihren Lagerhallen. In höheren Breitengraden und größeren Höhen entwickelt sich der Alkohol im Fass viel langsamer.

Der so genannte „Dock-Rum“ -so heißen die Rum-Sorten, die in Großbritannien reifen – ist in Abfüllungen zu finden, die durchaus 20 Jahre alt sein können; er schmeckt völlig anders als der Rum, der in den Tropen gereift ist, was mit Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck zu tun hat.

 

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