Etikettenkunde

Kaum eine Spirituose kann mit so einer Vielfalt an Flaschenformen, Farben und unterschiedlichen Etiketten aufwarten wie Rum. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass viele einen Rum erstmal anhand dieser Merkmale auswählen.  Ein kleiner Überblick über die Landschaft der Rum-Etiketten schadet nicht – schließlich sollte man zumindest abschätzen können, auf was man sich einlässt.

 

Wir haben im folgenden Beitrag einige typische Bezeichnungen auf Rum-Etiketten näher betrachtet. Wir benutzen nur hochauflösende Fotos in den Produkt-Beschreibungen unseres Shops, sodass Sie sich selbst auf Entdeckungsreise begeben können, um Vorder- und Rückseiten der Rums genau zu studieren.

 

Marke und Logo

Als erstes sticht immer der Hersteller ins Auge. Meist ist das Etikett mit dem Firmenlogo verziert. Eine Jahreszahl (zum Beispiel Bermudez 1852, oder Matusalem 1872) sagt nichts über das Alter des Rums aus, sondern ist in den allermeisten Fällen eine Angabe zum Jahr der Firmengründung oder ein geschickter Marketing Trick (Bacardi 8).

Zur  Hersteller-Bezeichnung gibt es aus Qualitätssicht nicht viel zu sagen: Einige Marken produzieren phänomenalen Rum, sind aber nur unter Experten bekannt. Andere Marken produzieren ehr mittelmäßigen Rum, sind aber aufgrund entsprechender Marketing-Budgets weltweit bekannt. Geschmäcker sind verschieden. Hier hilft nur eines: auch mal einem etwas unbekannteren Rum eine Chance geben. Vielleicht verliebt man sich ja auf Anhieb.

 

Mengen-Angaben

Die Mengen-Angaben sind meist am Rande, oft in den Ecken des Etiketts zu finden. In den meisten Fällen haben Sie eine 0,7l Flasche vor sich. Einige, oft teurere Rums werden in 0,5l Flaschen ausgeliefert. Einige Hersteller füllen besonders beliebte Sorten auch in 1 Liter Flaschen ab, wie zum Beispiel Zacapa einen seiner Spitzen-Rums, den Zacapa Centenario Solera 23 Años.

 

Alkohol-Angaben

Beim Alkohol-Gehalt gibt es sehr unterschiedliche Ausführungen: Ein Rum-Liquer kann gut nur 25% Vol. haben, während ein Overproof-Rum über 57,15 % Vol. aufweist. Unser stärkster Rum, der Holey Dollar Rum Platinum Coin Cask Strength hat sogar 75,9 %Vol. Alkohol. In der Regel bewegen sich die meisten Rums jedoch zwischen 38% und 43% Vol. Ein Blick auf das Etikett ist im Falle der Alkohol-Angaben jedoch immer ratsam – nicht dass man eine böse Überraschung erlebt.

 

Die Bezeichnung „% Vol.“ bezeichnet den Anteil an Alkohol in Bezug auf das Gesamtvolumen.
In der Regel wird der destillierte Alkohol, das so genannte Kopfprodukt – mit einem Ethanol-Gehalt von über 95% – während oder nach dem Reifeprozess mit Wasser auf den auf dem Etikett abgedruckten Wert verdünnt. Der Alkohol-Gehalt sagt jedoch nicht automatisch etwas über den Geschmack aus: Gerade die richtig starken Rums kann man durchaus manchmal falsch einschätzen und mit einem „leichten Kollegen“ verwechseln. So haben  beispielsweise  besonders scharfe Sorten typischerweise weniger als 38% Alkohol.

 

Auf den französisch-sprachigen Inseln verwendet man als Gradzeichen „degrees“ die dem ansonsten üblichen „% vol“ entsprechen.

 

Rums aus dem us-amerikanischen Raum haben oft die Bezeichnung „Proof„auf Ihren Etiketten: 2 Proof entsprechen einem 1% Vol. Alkohol. Auch wenn die Amerikaner konsequent auf ihren Umrechnungs-Tabellen beharren – im Rum-Geschäft hat es sich durchgesetzt, zumindest beide Möglichkeiten abzudrucken: unser Beispiel – der Prichard’s Fine Rum – weist einmal 80 U.S. Proof und entsprechend 40% Vol. Alkohol aus.

 

Qualitätsmerkmale

Viele Rum-Hersteller sind mittlerweile dazu übergegangen, Altersangaben auf das Etikett zu drucken. Da die meisten Rums aus Blends, also aus Mischungen verschiedener und unterschiedlich alter Rums bestehen, bezieht sich die Altersangabe immer auf den jüngsten verwendeten Alkohol.

Wenn Malteco beispielsweise vom Malteco 10, Malteco 15 oder Malteco 20 spricht, so heisst das, dass der jüngste verwendete Rum auch auf dem Etikett abgebildet wird.
Viele Destillen verwenden abhängig von ihrer geografischen Lage unterschiedliche Bezeichnungen, um auf das Alter und die Qualität des Rums hinzuweisen.

 

Die spanisch-sprachigen Rum-Hersteller verwenden folgende Begriffe:

 

  • anejo = alt,
  • gran anejo = sehr alt

 

Diese Bezeichnung verdienen in der Regel nur die besten Rums des Hauses, Altersangaben sind hierfür aber nicht zwingend vorgeschrieben.

 

Die französischen Karibik-Inseln verwendet ähnliche Begriffe, wobei diesen wenigstens zum Teil Altersangaben zugeordnet werden:

 

  • vieux = alt, wird verwendet wenn der Rum  mindestens drei Jahre gereift ist.
  • tres vieux = sehr alt
  • hors d’age = wird bei einem Blend gereifter Rumsorten verwendet.
  • traditionell = es handelst sich um Melasse-Rum

 

Zudem sollte man bei Rums der  französischen Karibik-Inseln immer darauf achten, ob ein Abfülldatum angegeben ist, da Jahresangaben über den Reifeprozess verwirrend sein können. Rum reift in Flaschen nicht nach.
Hat man eine Flasche Rhum agricole vor sich – einen aus frischem Zuckerrohr-Saft hergestellten Rum – erwarten einen nochmals andere Bezeichnungen:

 

  • VO = so bezeichnet man einen Rum, der  mindestens 3 Jahre in Eichenfässern lagert.
  • VSOP = so bezeichnet man einen Rum, der mindestens 4 Jahre in Eichenfässern lagert.
  • XO = so bezeichnet man einen Rum der mindestens 6 Jahre in Eichenfässern lagert.

 

Die Bezeichnung XO findet sich nicht nur auf den französisch-sprachigen Inseln sondern auch in anderen Teilen der Rum-Welt. XO steht hier für „extra old“ – zieht aber auch wieder keine exakte Jahreszahl nach sich. So gibt es zum Beispiel den A.H. Riise Rum XO Single Barrel der bis zu 20 Jahre gelagert wird, den 15-jährigen Pyrate XO Reserve oder den Zacapa Centenario XO Solera Grand Special Reserve mit bis zu 25 Jahren. Alle haben jedoch gemeinsam, absolute Spitzenrums zu sein.

 

Weitere Qualitätsmerkmale sind:

  • Solera = komplexeres Verfahren, bei dem in der Regel die Verdunstungsmenge durch jüngere Jahrgänge ausgeglichen wird
  • Single Barrel = Einzelfass-Abfüllung
  • Nummerierungen von Flaschen, Auflagen, Anzahl der Abfüllungen etc. wie im Etikett-Beispiel des Lucia Distillers Rum 1931
  • Auszeichnungen = Prämierungen auf Rum-Festivals oder bei offiziellen Verkostungen zeugen von Qualität und sind ein optisches Highlight auf jedem Etikett

 

Im Idealfall lässt sich bei der Einzelfass-Abfüllung nachvollziehen, aus welchem Fass die entsprechende Flasche stammt. Da jedes Fass unterschiedliche geschmackliche Ausprägungen mit sich bringt, können Einzelfass-Abfüllungen sogar von Fass zu Fass leicht variieren.

Ebenfalls interessant ist es, nach Begrifflichkeiten wie „destilled AND bottled“ Ausschau zu halten. Wenn sich Destille und Abfüller unterscheiden, oder der Destiller gar nicht aufgeführt wird, ist dies immer ein Zeichen dafür, dass der Destiller aus firmenpolitischen Gründen nicht genannt werden soll. Im Idealfall heisst es „abgefüllt durch“ und nicht „abgefüllt für“ und zusätzlich ist die Destille angegeben. Sonst kann es gut sein, dass es sich um Massenware handelt, deren Qualität unter Umständen nicht allzu hoch ist.

Rückseite der Etiketten

 

Das Kleingedruckte eines Rums  befindet sich meistens auf der Rückseite eines Etiketts. Hier findet man unter Umständen wertvolle Hintergrundinformationen über den Geschmack eines Rums oder schöne Geschichten. Im Falle des Pussers Rums zum Beispiel, dass er das Orginal-Rezept beinhaltet, das den britischen Seeleuten Jahrhunderte lang ausgeschenkt wurde. Man kann jedoch auch Eigenarten und Unstimmigkeiten entdecken. Besagter Pussers Rum wird beispielsweise auf dem Vorder-Etikett als „Product of British Virgin Island, Trinidad and Guyana“ ausgezeichnet. Auf der Rückseite wird der Rum jedoch als „Product of Barbados“ deklariert. An diesen Unstimmigkeiten kann man unter Umständen erkennen, dass Herkunft sowie Lagerung und Abfüllung an unterschiedlichen Orten stattfinden.

 

Ebenso findet man auf der Rückseite oft Informationen, ob der Rum Zusätzen für den Geschmack oder die farbliche Gestaltung versehen ist. Zudem werden oft Hersteller und Importeure abgebildet. Gerade Importeure spezialisieren sich oft auf bestimmte Qualitäts-Bereiche. Es gibt Importeure die generell Spitzen-Rums importieren, andere fokussieren auf Massenware. Auch dies kann im Einzelfall ein Hinweis auf die Qualität des Rums sein.

Marketing-Floskeln

 

Begriffen wie:

 

  • Reserva
  • Formula Originale de Cuba
  • eigene Plantage

 

sind mit Vorsicht zu genießen, sie wurden von einer Marketing-Abteilung entwickelt und haben nichts mit der Qualität des Rums zu tun.

 

Mit diesen Ausführungen sind Sie bestens gewappnet sich mit Rum-Etiketten auseinander zu setzen und etwas tiefer in die faszinierende Welt der Rums einzutauchen. Viel Spass beim Lesen!